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Andrea Nagl – Gekritztes Geschiebe

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Gekritztes Geschiebe ist der 3. Teil der Serie EIS.stein. Dem Bühnenstück EIS.stein, das sich mit dem Abschmelzen der Gletscher beschäftigt sowie eine biographische Aufarbeitung der eigenen Vaterbeziehung ist (UA April 2012, AAR), folgte die Videoinstallation EIS.stein Hohe Tauern 2012 (koop. Markus Wintersberger), eine Reproduktion und Transformation, eine Rückführung der Bühnenversion in die Realität der Bergwelt.

Gekritztes Geschiebe betritt die Ebene der Abstraktion. Die Narration wird in keine Form mehr gezwängt. Es stellt den Versuch dar, einen auratischen Kristallisationspunkt aller Erlebnisse, aller Erinnerungen im Kontext der Thematik Gletschersterben, Verlust der Natur, der heilen Welt des Kindes in seiner vermuteten Unendlichkeit ebenso wie des Produktionsprozesses des Stückes EIS.stein und vor allem der Dreharbeiten zu EIS.stein Hohe Tauern 2012 (haptische Eindrücke auf oder unter einer Gletscherzunge, Tanzen in Schutthalden, auf Schneefeldern oder in eisigen Gletscherbächen) zu schaffen.

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Erst die dem physischen live Teil der Performance folgende Kurzfassung des Videos EIS.stein Hohe Tauern 2012 (ca. 3:30 min.) zur Kantate “Ich ruf ́zu Dir, Herr Jesus Christ” von Johann Sebastian Bach gibt dieemotionale Übersetzung des neutral getanzten Solos preis und verweist auf die Verzweiflung über das rasante Abschmelzen der Gletscher. Das virtuelle Bild bleibt mit spiritueller Musik zurück, während die Tänzerin den Raum verlässt.

Die Überlagerung der live Aktion durch das virtuelle Abbild verweist auf den Verlust der Erinnerung in Folge des Verschwindens der Wahrnehmung. Nur noch Bilder bleiben zurück, die, wenn sie älter als das digitale Zeitalter sind, meist unscharf und verschwommen von Diabildern digitalisiert wurden.

Die potenzierte Präsenz des Gletschers durch seine Nicht-Präsenz, die Aura seiner ehemaligen Kraft in der Moränenlandschaft oder im Trogtal verweisen auf unseren blinden Fleck und die illusionär-subjektive Qualität unserer Erinnerung.

(Andrea Nagl 2013/14)

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Konzept/Choreographie/Performance/Sound: Andrea Nagl

Video: Andrea Nagl koop. Markus Wintersberger
Musik/Video: Joh. Sebastian Bach: Ich ruf´zu Dir, Herr Jesus Christ, BWV 639, Interpretation: Anne Queffélec

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This entry was posted on January 11, 2014 by in About, Raw Matters, Raw Matters Evenings, Upcoming Evenings.

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